Die Aufdeckungen

Kolumbien/Bogotá - 1989/1993

Marisa Schmitt-Viassone kopierte insgesamt 120 Porträts von simón Bolívar und historischen Persönlichkeiten – davon sind bisher 11 als Kopien identifiziert worden

Marisa Schmitt-Viassone befand sich 1989 auf einer mehrwöchigen Südamerika-Rundreise. Kurz vor ihrem Heimflug hatte sie noch einige Stunden Zeit. Sie entschied sich spontan, das Nationalmuseum in Bogotá zu besuchen. Dort entdeckte sie überraschend zwei ihrer Porträt-Miniaturen des Unabhängigkeitskämpfers Simón Bolívar (eine in Gardeuniform, eine im schwarzen Gehrock). Beide waren als Originale vom Künstler José María Espinoa Prieto ausgewiesen, der Bolívar um 1830 häufig porträtierte.

Für Marisa begann der Kampf um den Nachweis ihrer Urheberschaft. Anhand ihrer Vorzeichnungen und Skizzen konnte sie sie zwar zweifelsfrei nachweisen, fand aber erst nach vier Jahren Gehör. 1994 wurden ihre Kopien offiziell im Miniaturenkatalog des Museums als solche anerkannt. Sie schenkte dem Museum eine Bolívar-Miniatur, die sie selbst noch im Bestand hatte und signierte sie zusätzlich zu „J. M. Esp.“ mit ihrem eigenen Namen „Marisa Viassone“.

USA/Providence - 2000

Sechs MIniaturen, die bislang für Originale Gehalten wurden, tauchten 2000 in Providence auf

Dr. Maury Bromsen aus Bosten – ein großer Kenner, Biograph und Sammler in Nordamerika von Dokumenten und Bildern von Simòn Bolivar – wollte Teile seiner umfangreichen Lateinamerika-Kollektion der John Carter Brown Library in Providence schenken. Vor der Schenkung im Januar 2000 ließ man Experten für eine aktuelle Schätzung kommen. Bis dahin waren die Miniaturen auf $40.000 je Stück geschätzt worden.

Zu seiner Sammlung gehörten sechs Miniaturen, die angeblich Originale von den Malern Meucci, Legros und Espinosa sein sollten. Dr. Maury Bromsen hatte sie 1967 in New York beim Autkionshaus Parke Bernet, heute Sotheby´s, für $1.200 je Miniatur ersteigert. Nachdem die Experten Beatriz González aus Bogotá und Dr. Carlos F. Duarte aus Caracas die Miniaturen begutachtet hatten, kamen ihnen erhebliche Zweifel an der Herkunft. Die drei Epinosa-Kopien von Marisa Viassone waren zu diesem Zeitpunkt bereits in Bogotá anerkannt und ihr Malstil bekannt. Da die Stücke nicht aus dem Rahmen genommen werden durften, empfahlen die Experten, Marisa Schmitt-Viassone selbst einen Blick darauf werfen zu lassen. Vor Ort konnte sie ihre Urheberschaft der sechs Miniaturen anhand ihrer Vorzeichnungen und Skizzen nachweisen.

Venezuela/Caracas - 2002

Zwischen zahlreichen Antiquitäten aus der lateinamerikanischen Kolonialzeit fanden sich auch hier zwei Kopien wieder, die bis dahin als Originalwerke von J. M. Espinosa galten

Als der bekannte venezolanische Bolívar-Sammler F. John Boulton 2002 verstarb, wurde Marisa Schmitt-Viassone und den Experten des Nationalmuseums in Bogotá Zutritt zu dessen umfangreicher Sammlung in Caracas gewährt. Auch dort hing eine ihrer Kopien. Im Zuge der Aufarbeitung kam heraus, dass Manuel Bustillo von New York aus eine intensive und freundschaftliche Geschäftsbeziehung zu F. John Boulton unterhalten hatte. Per Brief war es Manuel Bustillo gelungen, ihm zahlreiche Antiquitäten anzubieten und zu verkaufen. Eine antike Provenienz der Stücke erfand er hemmungslos. Für F. John Boulton waren sie in den 1950er und 1960er Jahren so gut wie nicht recherchierbar. Heute ist die „Colección Bolivariana“, die auch zahlreiche Möbelstücke, Gemälde und Dokumente aus der Epoche von Simón Bolívar umfasst, in Form der „Fundación John Boulton“ der Öffentlichkeit zugänglich.

Eine weitere Bolívar-Kopie konnte Marisa Schmitt-Viassone in der Sammlung der National-Kunstgalerie in Venezuela Caracas (GAN) als ihre identifizieren.

Weitere Aufdeckungen

Auch das bekannte Auktionshaus Parke-Bernet – heute Sotheby´s – in New York begutachtete Marisa Viassones Kopien, irrtümlicherweise als Originale

Eine private Sammmlerin aus New York bat 2002 das Nationalmuseum, dort die Expertin Frau Beatriz González darum, ihre Bolívar-Miniatur auf Echtheit zu prüfen. Marisa Schmitt-Viassone bekam ein Bild digital zugesandt und erkannte sofort, dass es eine von ihr gefertigte Kopie war. Die Sammlerin hatte sie etwa 1960 beim Auktionshaus Parke-Bernet in New York gekauft. Dort hatte Manuel Bustillo überwiegend die Kopien als Originale angeboten. Selbst Gutachter waren von der Echtheit überzeugt.

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Die Miniaturenmalerin Lesestunde
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